Geschichte

Geschichte des Greifswalder Archives

Das Stettiner Konsistorium hatte zum Ende des Zweiten Weltkrieges seinen Aktenbestand mit ganz wenigen Ausnahmen in Stettin zurücklassen müssen, wo dieser durch Kriegseinwirkungen vernichtet wurde. Glücklichweise hatte es Ende des 19. Jahrhunderts bereits eine Aktenabgabe an das Provinzialarchiv in Stettin gegeben, so dass dieser Bestand erhalten blieb. Er umfasst den Zeitraum 1556-1844. Im Jahre 1946 konnte das nun in Greifwald beheimatete Konsistorium weder auf eine geordnete Altregistratur noch auf ein Archiv zugreifen. Es wurde deshalb zunächst an die Einrichtung eines Provinzialkirchenarchivs innerhalb des Behördenbetriebs mit dem Ziel der Sammlung geretteter Archivalien aus Hinterpommern und der zukünftigen Aufbewahrung von Akten der Kirchenleitung und der Verwaltung gedacht. Der Bestand geretteter hinterpommerscher Kirchenbücher bildete den Grundstock für das damalige Provinzialkirchenarchiv. 1950 erhielt es seinen Standort am Karl-Marx-Platz 15, wo es 50 Jahre lang bleiben sollte. 1960 zählten zu den Beständen hauptsächlich Akten des Konsistoriums aus der Zeit nach 1945. Das Archiv befand sich noch im Aufbau, eine Findkartei sollte angelegt werden. Zum Sammlungsgut gehörten bereits ein Bildarchiv, eine Zeitungsausschnittsammlung sowie eine Siegelstempelsammlung. Das Archiv wurde von der Präsidialabteilung mitverwaltet. In den Jahrzehnten seiner Entwicklung zum Landeskirchlichen Archiv wuchs der Bestand um die General- und Spezialakten des Konsistoriums seit 1945, die Akten der Kirchenleitung, der Bischofskanzleien, der Provinzial- und Landessynode seit 1946. Dazu kamen verschiedene Nachlässe und Deposita aus Kirchengemeinden. Den meist genutzten Bestand bilden die etwa 360 Kirchenbücher, sowie Posttagebücher, Lagerbücher, Chroniken, Protokollbücher und Kirchenrechnungen aus verschiedenen hinterpommerschen Kirchengemeinden. 1975 war der Diplomarchivar Joachim Wächter zum ersten hauptamtlichen Archivar berufen worden. 1993, nach zweijähriger Vakanz, hatte die Kirchenarchivrätin Dr. Carlies Maria Raddatz die Leitung des Landeskirchlichen Archivs übernommen. Anfang 1996 ist die Diplomarchivarin Ulrike Reinfeldt mit der Leitung des Archivs betraut. Im August 2000 bezog das Landeskirchliche Archiv seine neuen Archivräume im Bischofshaus. Nach der Fusion der drei Landeskirchen zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland im Jahr 2012 entstand das Landeskirchliche Archiv der Nordkirche. Sein Hauptsitz ist seitdem in Kiel, seine Außenstellen in Schwerin und Greifswald. Aus bautechnischen Gründen musste die Außenstelle Greifswald kurzfristig geschlossen werden. Der Aktenbestand, die Kirchenbücher und Mikrofilme wurden vorsorglich ausgelagert und sicher untergebracht. Die Nordkirche bemüht sich aber um neue Standortoptionen, damit eine baldige Wiedereröffnung erfolgen kann.